Dienstag, 25. November 2014
eine gute seele hat mir ein glückspaket geschickt: es stand gestern auf dem treppenabsatz … darin gefunden habe ich ein glückslicht, kopfhochpillen, ein antimonsterspray und eine orakelkarte, die ich bisher noch nicht dazu bewegen konnte, mir mitzuteilen, was sie mir denn für die zukunft verheißt … man braucht dafür zimmerwarme hände – die hab ich nie, weil mir andauernd eisig kalt ist … was für eine gute erfahrung, dass es menschen um mich herum gibt, die mich so mögen, mich aufmuntern möchten, mit mir fühlen …

ich vermisse dich. ich vermisse, dich zu sehen, dich zu hören, dich zu riechen, mit dir zu sprechen, mit dir zu schlafen … ich vermisse deine nachrichten um vier, um sechs, um sieben, um zehn, zum mittag, zum nach mittag, zum abend, zur nacht und alle zwischendrin … ich vermisse es, dass der erste gedanke des tages dir gelten darf, und ich vermisse es, als letzten gedanken der nacht einen gutenachtkuss an dich zu schicken … ich vermisse das gefühl, dass du gerade an mich denken könntest, mich vermissen könntest … ich vermisse es, dir mein herz auszuschütten, mit dir über meine arbeit zu sprechen, über dinge, die mich bewegen oder die ganz alltäglich sind … ich vermisse zu hören, wie dein tag war, wie es in der firma läuft, welche sorgen du hast … ich vermisse den glanz in deinen augen, wenn du erzählst, dass dir etwas gelungen ist, wenn du dich bedeutend fühlst, was du niemals zugeben würdest … ich vermisse deine umarmungen, das gefühl, bei dir geborgen zu sein … ich vermisse dein begehren, deinen lüsternen blick und deine berührungen …

ich denke an die drei jahre zurück und versuche mir bewusst zu machen, dass es auch während dieser zeit viele momente, tage, stunden gab, in denen ich unglücklich war, in denen du mich unglücklich gemacht hast … die vielen abende und wochenenden, die du nicht bei mir warst, sondern mit deiner frau, deiner familie, deinen freunden verbracht hast … wie du mir erzähltest, dass du ein schönes wochenende hattest und mir nicht einmal gesagt hast, dass du mich vermisst hast … weil du es vermutlich auch so nicht empfunden hast … weil das für dich ganz unterschiedliche welten waren … von der du eine jetzt einfach ins all katapultiert hast … wie du mir von schönen tagen auf sylt erzählt hast und nicht einmal in einem nebensatz erwähnt hast, dass du das gerne mal mit mir teilen würdest … du wolltest kaum etwas mit mir teilen, was dir etwas bedeutet hat, kein wochenende mit mir verbringen, mir nichts zeigen, was dich begeistert (außer den glücklichen nachmittagen im fußballstadion, die glücklich waren, obwohl der vfb kaum auch nur einmal einen sieg davongetragen hat), nicht mit mir in urlaub fahren … an unserem dreijahrestag warst du mit deiner gattin in dubai … du hast nicht mal gesagt, dass es dir leid tut … so vieles, was mich unglücklich gemacht hat, und dennoch hast du es immer geschafft, etwas zu tun oder zu sagen, was mich versöhnt hat …

und jetzt höre ich deine mitarbeiter deinen namen sagen und sterbe jedesmal dabei.

trotz all dem vermisse ich dich unbeschreiblich.


ich hefte imaginäre post-its in herzform, auf denen sein namen steht, auf imaginäre heliumgefüllte luftballons und lasse sie steigen, um das vermissen zu lindern … sekündlich … wenn die sonne an diesem novembertag nicht durch den himmel bricht, liegt es nicht an den wolken … der himmel ist voller weißer luftballons mit pinkfarbenen herzförmigen post-its …



Montag, 24. November 2014
das wochenende ist überlebt, die gedanken werden nicht weniger, und sie sind auch nicht weniger zielgerichtet als die drei wochen zuvor … letzte nacht fiel mir ein text vom dalai lama ein, in dem er empfiehlt, die gedanken an ballons zu heften und in den himmel fliegen zu lassen, um den kopf frei zu kriegen … seitdem versuche ich das … und alle ballons tragen denselben namen …



Sonntag, 23. November 2014
gerade nach hause gekommen, nachts um drei … blöd angequatscht worden auf dem weg nach hause und zuvor angemacht worden von einem jungen mann … seine telefonnummer eingespeichert, um sie wenige minuten später wieder zu löschen … wie eine völlig wahnsinnig gewordene habe ich mich gestern in den schlaf geheult … und heute wird es wohl nicht besser sein … gegessen hab ich so gut wie nichts, aber das ist wahrscheinlich egal, weil es dazugehört …

ich habe mich merkwürdig gefühlt auf dem heimweg, genauso wie die wochenenden zuvor seit du gesagt hast, wir könnten uns nicht mehr sehen … es war dir immer sehr wichtig zu wissen, ob ich gut nach hause gekommen bin … zumindest hatte ich das angenommen … wie man sich irren kann … über nacht wurde es dir völlig gleichgültig wie es mir geht, wo ich bin, ob jemand mich angrabscht oder auch nur blöd anquatscht … gänzlich egal ist das für dich … statt dessen liegst du mit deiner frau im bett und wälzt dich vielleicht noch ein bisschen rum, aber nie genug, um zur besinnung zu kommen und dich zu melden … vielleicht pennst du auch grade mit deiner frau oder bist mit ihr bei einem eurer zahlreichen freunde … wie auch immer, anscheinend passt es dir alles so gut wie es ist, während ich mir weiterhin wünsche, du hättest die situation genützt, um klarheit zu schaffen und zu deiner liebe zu mir zu stehen. aber du hast ja nie gesagt, dass du mich liebst … nur einmal, ganz am anfang, als wir miteinander geschlafen haben – du bist selbst total erschrocken … und später hast du mal irgendwas zu mir gesagt, während du mir die ohren zugehalten hast, aber was es letztendlich war – ein liebesgeständnis oder eine schimpftirade – dieses geheimnis hast du nie gelüftet … ich dachte immer wieder: darauf wird er sich eines tages berufen, wenn er dich verlässt »ich hab nie gesagt, dass ich dich liebe« wird er sagen …

http://www.youtube.com/watch?v=SuyvT8nFMLY